Alexander Buzgalin referierte in Wien über „CHINA-RUSSLAND“

Hermann Dworczak berichtet über den Besuch des renommierten russischen Marxismus-Experten Alexander Buzgalin auf Einladung der China Study Group Europe in Wien im Juni 2016.

Alexander Buzgalin gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten undogmatischen Marxisten in Russland. Er engagiert sich im Welt- und Europäischen Sozialforum und ist ein hervorragender Kenner der ökonomischen und politischen Situation seines Landes. Vor Kurzem nahm er in Wroclaw am „Zentral- und Osteuropäischen Sozialforum“ teil. Er gehört der linken Gruppierung „Alternativy“ an, die auch die gleichnamige Zeitschrift herausgibt.

Russland und China: Zwei Vorträge in Wien

Im Mai hielt Alexander Buzgalin mehrere Vorträge an Universitäten China.  Die seit einigen Jahren tätige China Study Group Europe lud ihn daher nach Wien ein. Im Amerlinghaus hielt er am 3. Juni 2016 einen Vortrag zu den komplexen Beziehungen zwischen China und Russland. Am darauffolgenden Tag nahm Buzgalin an einem vertiefenden Seminar zu dem Thema teil.

Am 6. Juni sprach er auf Einladung der KPÖ im „Siebenstern“ über die ökonomischen und politischen Verhältnisse in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Putin: Stabilisierung Russlands nach Jelzin-Ära

Bei der Abendveranstaltung im Amerlinghaus schilderte Buzgalin die ökonomische Entwicklung Russlands nach der „Wende“ (hin zum Kapitalismus). Unter Jelzin gab es „Schock ohne Therapie“, es wurde wild privatisiert. Buzgalin sprach von „Kapitalismus im Jurassic Park“, es herrschte das Chaos. Nach dem Abgang Jelzins gelang Putin vor dem  Hintergrund steigender Ölpreise eine gewisse „Stabilisierung“.

Putin setzte aber auch in der Außenpolitik Zeichen nach innen. So vermittelte er mit seiner Krim-Politik, dass er „es der NATO zeige“ und bediente so – demagogisch – die angeschlagenen Gefühle vieler Menschen nach dem schmählichen Untergang der Sowjetunion.

China und Russland: eine schwierige Partnerschaft

Waren in Vergangenheit bei den Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und China die Sowjetunion obenauf, hat sich das Verhältnis mittlerweile gedreht. Russland exportiert nach China heute vor allem Rohstoffe (Erdöl und Erdgas), China hingegen zumeist Industriegüter (der „zweiten Kategorie“). Für Russland ist China nur der neuntwichtigste Handelspartner, das gemeinsame Handelsvolumen ist mit rund 90 Milliarden Dollar auch nicht überwältigend.

Politisch haben die Eliten in beiden Ländern vor den so genannten „farbigen Revolutionen“ die Hosen gestrichen voll – wobei oft Nulldiffernzierung vorherrscht: Selbst der Beginn des arabischen Frühlings in Tunesien oder Ägypten wird als „eine von den USA gesteuerte Aktion“ dargestellt.

Seminar: China und Russland im Vergleich

Im Rahmen des Seminars erfolgten Erweiterungen und Vertiefungen. Markus Haunschmid verglich die autoritären Strukturen in China und Russland und bezog sich dabei auf sein Buch „Marx and Democray with Chinese Characteristic“. Buzgalin schilderte die politische Parteienlandschaft Russlands. Als sehr wertvoll erwies sich der Debattenbeitrag einer chinesischen Genossin, die einen Überblick über die fortschrittlichen Initiativen, NGOs und (kleinen) linken Ansätze in China gab.

Russland heute

Im Siebenstern lieferte Buzgalin insbesondere einen differenzierten Überblick über die Linke in Russland: von den verschiedenen kommunistischen Parteien bis hin zur extremen Linken. Die KP, die Sjuganow seit Jahrzehnten anführt, betreibt einen „skurrilen Personenkult – Kult ohne Persönlichkeit“, ist jedoch in der Duma die einzige bedeutende Kraft, die gegen die diversen neoliberalen Vorstöße (Verschleuderung öffentlichen Eigentums, Privatisierung der Bildungsinstitutionen,…) votiert.

Abschließend verwies Buzgalin auf einen interessanten, widersprüchlichen Tatbestand: obwohl in den Medien zumeist Weihrauch für Putin verblasen wird, gibt es einige wichtige Kanäle, in denen kritische MarxistInnen nach wie vor zu Wort kommen – auch er selbst mit einer wöchentlichen Radiosendung.

China-Russland. Vortrag und Seminar mit Alexander Buzgalin

Alexander Buzgalin gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten, undogmatischen Marxisten in Russland. Als Kenner der ökonomischen und politischen Situation seines Landes gehört er der linken Gruppierungung „Alternativy“ an, die auch die gleichnamige Zeitschrift herausgibt.

Nach einer Vortragsreihe in China wird Alexander Buzgalin nach Wien kommen, um mit der seit einigen Jahren tätigen China Study Group (Europe) eine Veranstaltung und ein Seminar zu den komplexen Beziehungen zwischen China und Russland, dem globalen Einfluss und Interessen der Länder, der „Linken“ vor Ort und vielem mehr zu gestalten.

Vortrag: Fr., 3. Juni 2016, 19:00 Uhr
Seminar: Sa., 4. Juni 2016, 10:00-16:00 Uhr
Ort: Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1 070 Wien

plakat-china_russia

Eine Veranstaltung der China Study Group Europe.

https://www.facebook.com/events/244662319244361/

Wohin geht China? – Dokumentation des Workshops

Im November 2015 fand in Wien ein Workshop zur Frage „Wohin geht China?“ mit Helmut Peters, Heiko Khoo, Wilhelm Reichmann und Josef Baum statt. Hier finden Sie die Aufzeichung der wichtigsten Teile der Vorträge und Diskussionen.

Helmut Peters: Hat China eine Zukunft im Sozialismus oder im Kapitalismus?

Heiko Khoo über Ökonomie, Planwirtschaft und Sozialismus in China

Helmut Peters‘ Antwort auf Heikos Vortrag

Wilhelm Reichmann und Josef Baum über die Wirtschaftsentwicklung Chinas

Schlussworte zur Diskussion über die Wirtschaftsentwicklung Chinas (Heiko Khoo, Helmut Peters)

Workshop: Wohin geht China?

6. und 7. November 2015
Amerlinghaus
1070 Wien Stiftgasse

China macht täglich Schlagzeilen. Die Nachrichten reichen von Horrormeldungen bis zu unwissendem Staunen. Tiefer gehende Hintergrundberichte haben Seltenheitswert. Auch unter der Linken herrschen vage Vorstellungen über die Entwicklungslinien des Landes vor.

Die China Study Group Europe will mit ihrer Veranstaltung und dem Seminar einen Beitrag zur Erhellung der Situation in China aus linker Sicht liefern: Wie weit gehen die Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft? Ist die ArbeiterInnenklasse gänzlich an den Rand gedrängt? Ist von der chinesischen Revolution nur mehr die rote Fahne übrig geblieben? Welche Kräfte dominieren, was ist ihre Perspektive? Welche Klassen bestimmen die weitere Entwicklung? Welche Szenarien sind real? Hat der Sozialismus in China noch eine Chance?
Diesen Fragen versuchen wir auf den Grund zu gehen.

Vortrag und Workshop

Am 6. November 2015 hält Helmut Peters einen Vortrag zum Thema „Welche Klassen bestimmen Chinas Gegenwart und Zukunft?,“ am 7. November 2015 findet ein vertiefender Workshop mit Inputs von Helmut Peters und Heiko Khoo statt.

Programm und weitere Informationen findet ihr hier.